Pressemitteilung vom 08.03.2021

Gerechte Chancen für Mädchen und Frauen

IN VIA fordert gleiche Entlohnung von Frauen und Männern sowie faire Aufteilung von Sorgearbeit.


Freiburg, 8. März 2021. Anlässlich des Internationalen Frauentags macht IN VIA Deutschland auf die nach wie vor bestehenden gravierenden Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aufmerksam. Zudem müssen Frauen und Männer Erwerbs- und Sorgearbeit verbinden können. Hierfür sind sowohl gesetzliche als auch betriebliche Rahmenbedingungen notwendig.

Der deutsche Arbeitsmarkt ist nach wie vor nicht geschlechtergerecht. Laut Statistischem Bundesamt liegt die Lohnlücke 2019 bei 19 Prozent. Im Vergleich mit anderen EU-Staaten liegt Deutschland hier auf dem drittletzten Platz.

„Schon bei der Berufswahl von Mädchen und jungen Frauen zeigt sich, dass sie trotz besserer Schulbildung tendenziell Berufe mit schlechterer Bezahlung und geringeren Aufstiegschancen wählen. Die Benachteiligung in der Biografie setzt sich fort, wenn Frauen berufliche Auszeiten nehmen oder ihre Arbeitszeit reduzieren, um Kinder zu betreuen bzw. Angehörige zu pflegen, und oftmals endet sie in Altersarmut", fasst Beate Gilles, Vorsitzende von IN VIA Deutschland, die Berufsbiografie zahlreicher Frauen zusammen. Sie fordert, dass Berufs- und Lebensorientierung in der Schule curricular verortet werden.

Die ungleiche Entlohnung ist jedoch nicht nur auf die gewählten Berufe, sondern auch auf ungerechte Strukturen zurückzuführen. Selbst bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit werden Frauen schlechter bezahlt. „Das 2018 in Kraft getretene Entgelttransparenzgesetz ermöglicht Mitarbeitenden Einsicht, wieviel Kolleg*innen in einer vergleichbaren Position verdienen. Dieses Vorgehen ist für Einzelne zu kompliziert.

Stattdessen müssen Betriebe gesetzlich verpflichtet werden, durch die Installation einer Software, die mit dem Lohn- und Gehaltsabrechnungssystem verknüpft ist, ungerechtfertigte Gehaltsunterschiede offenzulegen", fordert Gilles.

Die ungleiche Verteilung von familiärer Sorgearbeit zeigt sich darin, dass vor allem Frauen den Beruf hintenanstellen, um Kinder zu betreuen bzw. Angehörige zu pflegen. Seit Beginn der Pandemie haben überwiegend Frauen zur Betreuung der Kinder und zur Organisation des Familienlebens beruflich zurückgesteckt bzw. enorme Zusatzbelastungen auf sich genommen. Über Anreize müssen Arbeitgeber*innen motiviert werden, flexible Zeit- und kreative Arbeitsmodelle einzuführen, die Frauen und Männern die Vereinbarung von Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung bzw. Pflege ermöglichen.

Digitalisierungsprozesse dürfen die Chancenungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen nicht verstärken, sondern müssen diskriminierungsfrei sein. „Es darf beispielsweise nicht passieren, dass bei der Personalauswahl eingesetzte algorithmische Systeme Lücken im Lebenslauf, z.B. Elternzeiten schlicht als Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und damit negativ interpretieren", so Gilles.


Ansprechpartner/-in