14.07.2021

4 Fragen an Yvonne Sartor, Fachberatung der Offenen Ganztagsschulen bei IN VIA Köln

 

 

1. Was waren die drei wichtigsten Themen 2020?

Corona war das dominante und bestimmende Thema für den OGS- Bereich
- Umgang mit der Pandemie im Kontext Schule/OGS im Hinblick auf Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen, Aufrechterhaltung des Lernens und der Betreuung
- Bedarfe der Kinder und Familien auffangen zum Thema Betreuung, Kinderschutz, Förderung, Kontakt mit Kindern bzw. Freund*innen im vertrauten Umfeld (Aufrechterhaltung des Lebensalltags der Kinder)
- Versorgung der Kinder mit BuT-Anspruch (Essenspakete) und der geflüchteten Familien bzw. Kinder (Zugang zum Online-Lernen ermöglichen, da die Situation und Ausstattung in den Flüchtlingswohnheimen Distanzlernen nicht möglich macht und zusätzlich zur weiteren Isolation der Kinder und Familien beigetragen hat.)

2. Welchen Einfluss hatte die Corona-Pandemie auf die Arbeit in der OGS?
Positive Aspekte:
- Zusammenwachsen der Schul- und OGS-Teams bzw. Verbesserung und Intensivierung der Kooperation, da viele gemeinsame Abstimmungen und Sitzungen erfolgt sind.
- Fokus im Kontext Schule nicht primär auf das formelle Lernen gelegt, sondern auch auf emotionales Lernen und Verstärkung bzw. Sensibilisierung bzgl. der Bedürfnisse der Kinder, der Familien und deren Lebenssituation (Schule ist ein LEBENSORT der Kinder und was passiert, wenn dieser wegfällt bzw. sich verändert?)
- Kreative Lösungen von Distanzlernen, vor Ort lernen, ... das „starre System" Schule wurde aufgeweicht, musste sich öffnen, flexibel reagieren, Innovationen zulassen (neue Formen des Lehrens und Lernens)
Negative Aspekte:
- Kinder aus bildungsfernen Familien haben z.T. den Lernanschluss verloren, haben z.T. auch sprachliche Fähigkeiten wieder verlernt, Rückschritte gemacht
- Bei einigen Kindern sind soziale Unsicherheiten entstanden (in sich selber unsicher geworden z.B. schüchternes Verhalten, Rückzug... und andere wiederum zeigen nach Außen eher unsoziales Verhalten z.B. bei der Kontaktaufnahme, der Konfliktbewältigung)
- Medienkonsum der Kinder ist gestiegen und wurde z.T. nicht gut begleitet oder aufgefangen, da die Eltern den Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling stemmen mussten....

3. Welche Themen beschäftigen uns im nächsten Jahr?
- weiterhin die Corona Pandemie... der Schul- bzw. OGS-Alltag ist nicht wieder hergestellt und wird er auch noch nicht in absehbarer Zeit.

- Aufarbeitung der Lernrückstände, Schüler*innen zu fördern, Bildungsgerechtigkeit wieder herstellen, Begleitung und Aufbau des sozialen Miteinanders – Kontakt und Nähe in Zeiten von Corona menschlich und anhand der Bedürfnisse der Kinder zu gestalten und zu begleiten, OGS Mitarbeiter*innen haben sehr viel über ein Jahr lang geleistet... brauchen auch Zeit der Integration und Neuausrichtung bzw. Anpassung

Für mich stellt sich die Frage: Wie sieht die Offene Ganztagsschule in bzw. nach Corona aus? .... Rückkehr zu „vorher" sehe ich nicht, dazu hält die Pandemie schon zu lange an und greift und wirkt tief. Zudem ist das System Schule bzw. Bildung nicht am Puls der Zeit und orientiert sich nicht an den aktuellen Bedürfnissen! Die Reformierung und Öffnung des System Schule hin zu einem Lebens- und Lernort für Schüler*innen hat meiner Meinung nach oberste Priorität! In meinen Augen wäre es fatal, wenn Schule versuchen sollte, wieder den Status Quo vor der Corona Pandemie herzustellen.

4. Was sind wichtige Forderungen an die Politik in 2021?

WERSCHÄTZUNG der OGS-Arbeit – auch auf finanzieller Ebene. Der OGS-Bereich ist chronisch unterfinanziert. Auf der einen Seite gibt es die Forderung bzw. Festlegung, den OGS-Bereich auszubauen, um den Rechtsanspruch vorzubereiten, andererseits fehlt es an den dafür erforderlichen Ressourcen wie Räume, Personal und Finanzierung. Meiner Meinung nach fehlt auf politischer Ebene eine klare Haltung und Wertschätzung für den Bereich Schulbildung.

 



Ansprechpartner/-in

Frau Aline Muehlbauer

Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit



Telefon: (02 21) 4728 - 651
Telefax: (02 21) 4728 - 666