04.06.2021

Corona-Tagebuch: Wie erleben Jugendliche die Pandemie?

"Als ich das von Corona gehört habe, hatte ich Angst. Ich habe keine Angst wegen mir, sondern wegen meiner Eltern, weil sie im Irak sind. Ich habe nie gedacht, dass ich zuhause eingesperrt sein könnte. Wir wohnen in einer 3-Zimmer Wohnung mit 8 Personen. Mein großer Bruder wohnt dort mit seiner Frau und den fünf Kindern und ich. Es ist langweilig, weil man nicht zur Schule gehen und keine Freunde treffen kann. Man verpasst so viel im Unterricht, im Leben. Mein Alltag ist so schlimm und wiederholt sich jeden Tag. Alles ist durcheinander. Ich stehe auf, esse, spreche ein bisschen mit der Familie, mache Hausaufgaben, esse wieder, schaue viel Fernsehen, besonders viel die Nachrichten. In der Nacht backen wir uns Fertigpizza auf und trinke Cola. Einschlafen tue ich meistens erst ab zwei Uhr und stehe spät auf. Ganz besonders vermisse ich die Welt draußen und die Menschen. Was ist das für ein Leben. Aber wir schaffen das. Wir haben so viel geschafft. Ich habe so viel erlebt auf dem Weg nach Deutschland - das schaffen wir auch noch."

~Sipan~


"In genau dieser Zeit denke ich an eine bestimmte Person. Da diese Person mich mit Gedanken in eine andere Welt führt. Eine sehr reine und schöne Welt voller Liebe und Zuversicht. Dann denke ich darüber nach, was wir gerade durchmachen und wie wir ein ruhiges und halb leeres Leben ohne Menschen führen können, die die Straßen und Märkte füllten und das ist traurig. Ich hoffe, dass unser Leben wieder zurückkommt. Ich habe eine schöne Zeit verbracht mit regelmäßigem Sport und meine Freizeit mit Dingen gefüllt, die ich schon immer machen wollte."

~Sipan~


"Mir geht es gut. Ich arbeite im Praktikum und das fühlt sich gut an, denn ich habe meinen Traumberuf gefunden. Vorher habe ich lange gesucht und viel ausprobiert. Als Fachkraft für Sicherheit in meinem Betrieb fühle ich mich wohl. Wir bewachen ein Gebäude und als es einen Coronafall gab, haben wir das leere Gebäude trotzdem bewacht. Nur machen wir es jetzt mit Maske, das ist der einzige Unterschied. Mein Leben hat sich nicht geändert. Im Sommer fange ich die Ausbildung an. Darauf freue ich mich."

~Elif~


"Am Anfang, als die Schule zu war, war ich immer zuhause und habe Filme geguckt. Ich hatte Angst rauszugehen. Ich wohne in einem Wohnheim mit anderen Mädchen und meine Freundin wohnt in einer anderen Etage im selben Haus. Ich habe immer mit ihr zusammen gekocht, im Garten gesessen, geredet und Cola getrunken. Eine andere Freundin habe ich nur einmal getroffen. Schön war, dass ich viel Zeit hatte und mein Zimmer umgeräumt habe, das Bett steht jetzt auf der anderen Seite und es sieht anders aus. Zusammen mit meiner Freundin koche ich. Ich spare viel Geld, denn ich kann nicht einkaufen gehen. Meine Betreuerin ist glücklich, weil ich endlich Geld gespart habe. Auf der anderen Seite war es nicht so eine schöne Zeit, denn ich bin so lange zuhause, nicht in die Schule. Ich glaube alles ist ok, wenn alle zuhause bleiben und viel Abstand halten in der Öffentlichkeit."

~Noora~


"Ich heiße Nina, bin 21 Jahre alt und mache eine Berufsmaßnahme bei IN VIA Köln. In der Zeit der Pandemie gehe ich trotzdem jeden Tag zu meinem vereinbarten Praktikum. Das Praktikum ging offiziell vier Wochen aber aufgrund der Reglunge, habe ich mich dafür entschieden, das Praktikum so lange ich kann, zu verlängern, um nicht in meiner Langeweile oder in den massiven Einschränkungen unterzugehen. Am Wochenende treffe ich mich mit meinen Freunden und wir haben unseren Spaß. Leider kann man nicht allzu viel machen, da alles geschlossen ist, aber wir sind so einfallsreich, dass das Rumsitzen auf irgendeiner Bank im nirgendwo sehr lustig sein kann. Ich halte trotzdem die Regeln ein, wie den Abstand und das Tragen der Mund-Nasen-Masken. Das hindert mich aber nicht daran, jeden einzelnen Tag und das Leben, das ich habe, zu genießen."

~Nina~


 



Ansprechpartner/-in

Herr Hartmuth Schütt

Dipl. Sozialwissenschaftler, Stellvertretender Fachbereichsleiter
Bereichsleitung Berufsvorbereitung



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